Die Bremsanlage

Bremsen

Eine Bremsanlage besteht aus Übertragungs- und Betätigungseinrichtungen und dient als Einheit zur Verzögerung eines Kraftfahrzeugs.

Während des Bremsvorgangs wandelt sich die Bewegungsenergie (kinetische Energie) in Wärmeenergie um und wird abgeführt (Verlustenergie). Moderne Technologien ermöglichen heute, dass die kinetische Energie in elektrische umgewandelt und abgespeichert wird. Der Gestzgeber schreibt neben der Betriebsbremse, die eine MIndestverzögerung von 5,8 m/s² bringen muss, seit den 1920 er Jahren noch eine unabhängig wirkende zweite Bremseinrichtung vor - normalerweise die Hand- oder Feststellbremse. 

Wirkungsweise

Wenn Sie das Bremspedal treten, verteilt sich über eine Hydraulik der Druck an die Radbremszylinder. Sie bewegen die Bremsklötze, die ähnlich wie eine Zange die Bremsscheibe rechts und links umklammern. Durch die Reibung verlangsamt sich die Umdrehungsgeschwindigkeit der Scheibe und des gesamten Rades. Analog dazu werden bei einer Trommelbremse die Bremsbacken durch den hydraulischen Druck gegen die umlaufende Trommel gedrückt. Erwünscht ist eine optimale Spurtreue und Lenkbarkeit, sowie eine einwandfreie Funktion, wenn zwischen Belag und Scheibe, bzw. Trommel, eine Temperatur von fast 800 Grad herrscht. Bei der Feststellbremse wirkt bei älteren Fahrzeugen die aufgebrachte Fuß- oder Handkraft über Bremsseile auf die Bremsbacken. Modernere Fahrzeuge sind mit einem Elektromotor ausgestattet.

Historisches

Ursprünglich wurden nur die Hinterräder über eine sogenannte Klotzbremse  abgebremst, ehe sich die Trommelbremse durchsetzte. Der Autohersteller Horch aus Zwickau brachte 1924 den ersten PKW (Horch 10) mit Vierradbremsen auf den Markt. Der amerikanische Tucker Torpedo von 1948 verfügte als erster PKW über vier Scheibenbremsen. Erst 1952 gab es in Europa serienmäßig vier Scheibenbremsen am  Rennsportwagen Jaguar-C-Type, ehe 1955 der Citröen DS zwei Scheibenbremsen zu bieten hatte. Premiere feierte ein hydraulisches Bremssystem 1921 im Rennwagen von Duesenberg beim Großen Preis von Frankreich. Zum ersten Mal konnten sich 1924 die Besitzer des  Chrysler B-70 über serienmäßig verbaute hydraulische Bremsen freuen, ehe das in Europa auch die Eigner des Triumph 13/35 tun konnten. In Deutschland verfügte erstmalig 1926 der Adler Standard 6 über eine Hydraulikbremse. Im gleichen Jahr gab es die Bremse im Nutzfahrzeugbereich von Krupp, 1927 von Büssing und 1931 von Mercedes-Benz (Lo-2000), MAN und Henschel.

Bremssysteme

Bis März 1962 verfügte der VW Käfer zum Beispiel über eine wartungsintensive mechanische Seilzugbremse. Hydraulische Systeme gewährleisten einen gleichmäßigen Bremsdruck an allen Rädern. Sie können als Einkreis- oder Zweikreisbremsanlage (seit 1967 in Deutschland Vorschrift) ausgeführt sein. Die Zweikreisanlage teilt die beiden Kreise auf Vorder- und Hinterachse oder diagonal auf (rechtes Vorderrad/linkes Hinterrad und linkes Vorderrad/rechtes Hinterrad). 1966 wurde im Volvo 140 das Dreiräder-Bremssystem (LL-System) verbaut, das selbst bei Ausfall eines Kreises den Fahrer noch 3 Räder abbremsen lässt. Gemäß EG-Richtlinie 71/320/EWG von 1971 wird zwischen drei verschiedenen Bremsanlagen unterschieden:

  • Betriebsbremsanlage (BBA)
  • Hilfsbremsanlage (HBA)
  • Feststellbremsanlage (FBA)

Die Einzelteile einer hydraulischen Bremsanlage:

  • Bremspedal
  • Hauptbremszylinder
  • Bremskraftverstärker
  • Bremsflüssigkeitsbehälter
  • Bremsdruckverteiler
  • Bremsleitungen aus Metall, gebördelt, ggf. mit T- und Verbindungsstücken
  • Bremsschläuche
  • Radbremszylinder
  • Entlüftungsventile

Wissenswertes:

Eine maximale Bremsverzögerung hängt je nach Witterung und Fahrbahnbeschaffenheit von der Haftreibung der Reifen ab. Bei einer Bremsung wird die Vorderachse stark be- und die Hinterachse entlastet, weil das Fahrzeug sozusagen nach vorne kippt. Experten sprechen von der "Dynamischen Achslastverlagerung". Weil deshalb an der Vorderachse eine höhere Bremskraft aufgebracht werden muss, statten die Hersteller ihre Fahrzeuge unter anderem mit größeren Bremsscheiben an der Vorderachse aus.